Auf die nächsten 10 Jahre … erstmal

Bruinisse, Jachthaven Aqua Delta, 22. Juli 2026, 22:00 Uhr

Hach, so ein Kompliment am Morgen des Hochzeitstages möchte doch jede:r gerne hören, oder? Kein Wunder, dass ich erstmal weggelaufen bin, um nach 5km Eindrücken vom Veersemeer zu einem hochzeitstäglich-fürstlichen Frühstück zurück zu kehren: Guacamole, Brötchen, Speck und Spiegelei, dazu noch ein Hochzeitstag-Geschenk von der Trauzeugin!

Das erste Stück im Veersemeer war heute entspannt-zügig, auf der Oosterschelde gab es mehr Wind und Wellen. So richtig cool war es dann im Keten + Zijpje. Dort wird es etwas enger, und wir konnten ohne Wellen mit bis zu 7,1 Knoten trotz gereffter Genua dahin gleiten. So macht Segeln Spaß!

Vor und in der Schleuse zum Grevelingen-Meer konnten wir eine Crew  beobachten, deren Schiff irgendwie größer war als ihre Kenntnisse. 4 Salinge, gefühlt mindestens 60 Fuß (18m) lang und bestimmt 5 m breit, und trotz Bugstrahlruder brauchte es mehrere Anläufe, bis die Leinen fest waren. Da bin ich doch froh, dass wir „nur“ 34 Fuss zu bändigen haben. Beim heutigen Wind (18-20 Knoten) ist das schon schwer genug [T]

Wir reiten zusammen in den Sonnenuntergang…

22:15 Uhr

Versteh ich nicht? Was ist denn daran so schlimm, sich, „erstmal“, auf die nächsten 10 Jahre zu freuen? Immerhin besser als, erstmal, auf 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 oder gar kein weiteres Jahr! Und die 10 Jahre muss man ja auch erstmal wollen!

Knapp 25 nm heute war schon ein gut gefülltes Programm, was uns aber nach den noch längeren Törns der letzten Wochen nun gar nicht soo lang vorkam. Ausserdem gab es ja auch zwei Pausen. Eine vor der Zandkreekschleuse am Ausgang Versemeer bzw. Eingang Oosterschelde und dann noch am Ende des Törns, vor der Grevelingensluis. Den Anfang im Versemeer bin ich gesegelt. Genau so mag ich das. Nur mit Vorsegel flott den Tonnenstrich entlang gleiten.

Am Wind dann die Oosterschelde rauf hoppeln hatte mal wieder einen auf links gekrempelten Salon zur Folge. Runtersegeln kommt halt von runtersegeln. Echt eine Unart, wie wenig acht wir im Vorfeld auf das Vorbereiten des Schiffes geben. Ich mag das überhaupt nicht … aber 10 Jahre nölen können halt nicht wett machen, was in der Kindheit falsch angelegt wurde … oder Papi hatte das einfach besser im Griff? [M]

Hier muss ich kurz einhaken: Wenn sich das Schap mit den Spielen öffnet und das danebenliegende Schap mit Klamotten auch Tag der offenen Tür spielt, dann wir es halt voll im Salon. Das hat tatsächlich wenig mit Vorbereitung zu tun… [T]

Vor der Zeelandbrücke hat sich übrigens der Kreis geschlossen. Da haben wir unser Kielwassser vom ersten Tag dieser Reise wieder gekreuzt.

Beim Anlegen hier im Hafen gab es tatkräftige Hilfe. Ein belgisches Paar, das nicht in ihre Box konnte, weil sich ein Schlauboot dort breit gemacht hatte, nahm unsere Vorleinen an. Das hätten wir sicher auch alleine hinbekommen, aber helfende Hände sind immer gerne willkommen.

Den Anlegerschluck haben wir ausgelassen, da das Restaurant, in dem wir Essen wollten, nur bis 20 Uhr Gäste einlässt. Dort, im Bru17 haben wir uns die Zeeländischen Muscheln klassisch bzw. mit Fenchel zubereitet, schmecken lassen. Dank moderner Kühltechnik geht das zum Glück auch jetzt im Juli. Die „Monate mit ‚r‘ Regel“ ist zum Glück obsolet. Lekker auch der Nachtisch, Amarena Kirsche mit entsprechendem Eis, den wir uns friedlich geteilt haben.

Übrigens, ganz eigentlich sind ja auch die zweiten 10 Jahre schon fast rum. Im September gehen wir dann in unser drittes Jahrzehnt … erstmal. [M]

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