Erst mal Zähneputzen
Vlissingen, Michiel de Ruijterhaven, 06:30 Uhr, 18.07.2026
Wenn mir damals, in meinen ganz jungen Jahren, wo meine große Schwester mich nötigen musste, dass ich mir die Zähne putze, wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass mein erstes Bedürfnis nach einer Nachtfahrt sein würde, mir meine Zähne putzen zu wollen, eher zu müssen, dann hätte ich ihn oder sie für verrückt erklärt. Doch heute morgen, eigentlich schon in der Nacht während der Fahrt nach dem ersten Schlummer, war dieses Bedürfnis übermächtig. Aber der eine oder die andere kennt das vielleicht auch von Urlaubsreisen?
Ich, wir beide, sind froh, dass diese Überfahrt so gut geklappt hat. Erleichtert, dass alles nach Plan gelaufen ist und wir nach 86 nm und 15 1/2 Stunden glücklich durch das enge Schleusentor in den Michiel de Ruijtershaven eingelaufen und am erstbesten Steiger, direkt neben dem Tor, festgemacht haben.





Uns zu Ehren wurde sogar direkt am Hafen eine Kirmes aufgebaut!

Strahlend blauer Himmel hat uns in Ramsgate von einem England ohne Regen und Nebel verabschiedet. Ein England, dass leider im Halbfinale der Fußball WM ausgeschieden ist und dessen Menschen sich so sehnlich nach 60 Jahren einen weiteren Titel gewünscht hätten. Wir haben dort viele nette flüchtige Bekanntschaften in den Häfen gemacht. Heute Mittag noch ein Seglerpaar getroffen, dass die erste Woche einer für drei Jahre angelegten Reise hinter sich hat und in Ramsgate den Sprung von Helgoland nach Ramsgate feiern wollte. Aber an den Formalien der Online Immigration gescheitert ist, weil ein Code nicht aktzeptiert wurde. Und sich dann mit der Border Force, die ans Schiff kam nett unterhalten und uns bei Ablegen geholfen hat.
Oder Jack und Mariette von der Tale Quale, die uns über Ramsgate, Queenborough, London und zurück zufällig begleitet haben, weil das einfach eine typische Route ist. Jack und ich haben heute morgen noch Fotos ausgetauscht, die wir unterwegs voneinander gemacht haben.

So ist das Leben auf Reise. Man trifft sich und man verabschiedet sich. Manchmal hätten die Unterhaltungen auch gerne noch länger dauern dürfen.
Nur schön, dass ich Tanja mit dabei an meiner Seite habe. Die mich wieder einmal dazu gebracht hat, mich aus meiner Komfortzone zu bequemen. Auch wenn ich das eigentlich gar nicht will. Am Ende sind es dann doch immer wieder tolle Erlebnisse. Und was macht man nicht alles, um seine Liebste (und sich selbst) glücklich zu machen? [M]

Mein Bruder hat geschrieben, ich sehe „erschöpft aber glücklich“ aus. So ist es! Bei 83 Seemeilen inkl. Verkehrstrennungsgebiet ist es trotz aller elektronischen Hilfsmittel und der Seekarte immer noch ein kleines Wunder, morgens an der richtigen Stelle anzukommen. Zwischendurch mussten wir ein paar Mal zwischen Segeln und Motorsegeln wechseln, aber insgesamt war es mehr Segeln als Maschine. Und dann waren wir sogar zu früh vor Vlissingen, und mussten ein Segel wegnehmen, damit wir zum Anlegen etwas Licht hatten…
Nach einem letzten Schlummer in der Plicht – nachts haben wir uns immer alle 1-2 h abgewechselt und dazwischen im Schlafsack auf der Leeseite geschlafen – bin ich jetzt ein wenig landkrank. Wir sitzen in einem Café an der Bummelzone und gefühlt bewegt sich die Welt um mich herum noch immer in kleinen Wellenbewegungen. Ich hoffe, dass der Eierlikör und der Uitsmeter zum Frühstück die Welt wieder zur Ruhe bringen.












Da sieht man die gute familiäre Beratung