Unsere Erde ist eher wie eine Kartoffel

Sonntag, 12.07.2026, 23:30Uhr, St. Katharine Dock Marina, London

… denn wie eine Apfelsine. Und deswegen weicht die Anzeige der Smartphone App auch von der ursprünglichen Definition des Nullmeridians ab. Alles klar soweit?

Wenn nicht, kann ich auch nicht wirklich weiterhelfen. Was mir bei unserem Ausflug nach Greenwich hängengeblieben ist, dass der im WGS 84 definierte Nullte Längenkreis etwa 100 m östlich von den im Royal Astrological Observatorium im Boden dargestellten Nullmeridian sein soll.

Dies haben vermutlich schon hundertausende Touristen mit ihren Smartphones beobachtet. Die wollten wohl, wie ich es auch erwartet habe alles Nullen bei der Längenanfabe sehen, aber wurden dann irritiert von kleinen Abweichungen.

Da wir erst spät loskamen und die Fahrt mit der Tube über eine Stunde dauern sollte, sind wir mit einer der Schnellfähren in nur 30 min vom Tower Pier nach Greenwich gerast. Mit der CHRITA hatte die Strecke bis zu den St Katherine Docks, allerdings ohne zwischendurch Passagiere ein- und aussteigen zu lassen, auch nur 40 min gedauert.

In Greenwich sind wir nach kurzem Iced-Coffee Stop zur Cutty Sark, einem Teeclipper aus dem 19. Jhd. der in einem Trockendock als guterhaltenes bzw gut restauriertes Museumsschiff die Zeiten des Seehandels unter Segeln illustriert.

Im Anschluss erfolgte der Aufstieg zum Observatorium. Eine Geschichte der Zeit bzw über die Entwicklung präziser Uhren für die Navigation auf See. Diese Entwicklung erstreckte sich im 18. Jhd. über mehrere  Jahrzehnte, in denen John Harrison verschiedene Versionen, von der H1 bis hin zur H4 entwickelte, die dann auch bei Seegang und wechselnden klimatischen Bedingungen sehr genau ging und das Längengradproblem löste.

Um wieviel einfacher doch heute für uns die Navigation ist! Genaue Zeit, genaue Tiefen und Entfernungen auf einer Seekarte sind für uns heute selbstverständlich. Und das alles gibt es auch elektronisch mit genauer Position des eigenen und anderer Schiffe im Minutentakt aktualisiert auf dem Smartphone. — Zurück in die Stadt nahmen wir den DLR, einen Zug, der uns oberirdisch durch die abwechselungsreiche Bebauung Londons zur Endhaltestelle „Bank“ brachte. Von da war es nur ein kurzer Fußweg zu „The India“. Dieses, sehr gut bewerte, Restaurant entlockte vom äusseren Anschein, nicht nur mir ein Stirnrunzeln. Während ich auf Tanja wartete,sah ich eine französusche Familie ankommen, die skeptisch schauten, sich dann aber doch entschlossen hineinzugehen. — Eine Treppe runter im Souterrain erwarteten uns schön gedeckte Tische, sehr leckeres Essen und eine Schar von Kellnern, die sich ab und an zu oft nach unserem Wohlbefinden erkundigten. Alles in allem aber ein sehr empfehlenswertes indisches Restaurant. [M]

Ja ja, die Zeit und die Ortsbestimmung. Mit beidem habe ich ja bekanntlich meine Probleme. Der ein oder andere mag sich fragen, warum Michael auf mich gewartet hat. In diesem Fall lag es daran, dass ich keine Lust hatte, den gleichen Weg zurück zu gehen und darum einfach eine parallele Route genommen hatte. Ja, sie war ein paar Meter länger, aber ist es nicht die Idee einer Städtetour, etwas von der Stadt zu sehen?

Morgens hatte er gewartet, weil ich die Amsterdam-Seiten von London erkundet, Brot gejagt und die Wäsche versorgt habe

Der Tee-Klipper sieht von unten fast aus wie eine moderne Yacht, mit wunderschön geschwungenen Formen. Der Name bedeutet so etwas ähnliches wie Nachthemd, also  „Pölterchen“ in Gedenken an ein morgiges Geburtstagkind.

Mein Höhepunkt am Observatorium war der dicke rote Ball auf dem Dach, der noch heute um 13 Uhr runterfällt, damit alle Schiffe ihre Uhren richtig stellen können.

[T]

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