Mit dem Turbo zur Tower-Bridge

10.07.2026 21:30, London, Warte-Boje vor der Tower-Bridge

Die Götter des Wetters und der Gezeiten sind aktuell tatsächlich auf unserer Seite. Wahrscheinlich,  weil wir wirklich jedes Jahr den ersten Schuck Alkohol auf dem Schiff mit Rasmus teilen…

Weil der Wind auffrischen soll, sind wir doch schon heute vor dem Nachmittagsniedrigwasser aber nach einem Rundgang durchs Städtchen, also um angenehme 13 Uhr  aufgebrochen. Die Idee ist, so einen Großteil der 45 Seemeilen bis London quasi auf der Welle des auflaufenden Wassers zu surfen und schneller anzukommen.

Da die öffentliche Dusche des Yachthafens abgeschlossen war, brauchte ich nach dem Ablegen im etwas breiteren Wasser des Medway eine kurze Erfrischung und konnte dabei auch unser Sumlog dazu bringen, wieder etwas anzuzeigen. Die Geschwindigkeit durch das Wasser wird mit einem kleinen Rädchen am Schiffsrumpf gemessen, und manchmal verhindern Algen die Bewegung.

Der Wind kam gnädigerweise in der richtigen Geschwindigkeit aus der richtigen Richtung, so dass wir nochmal den orange-gelben Turbo zünden konnten.

Die Themse war viel weniger befahren als gedacht, erst ganz am Ende wurde es durch die Wasserbusse und Ausflugsschiffchen etwas voller. Um einen berühmten Blog zu zitieren: „Eine Stadt sieht vom Wasser nochmal ganz anders aus. Das Themse-Sperrwerk, die Gondeln, Greenwich und die ganzen Wolkenkratzer: Alles schon mal gesehen, aber noch nie so.

Nach der letzten Biegung lag sie dann vor uns: Die Towerbridge vor dem Sonnenuntergang. Zur (gedachten) Unterhaltung des Marine-Recruitingbüros und aller Passanten haben wir das Anlegen an der Boje gefühlt 10x wiederholt, mit dem Highlight: Bojenhaken an der richtigen Stelle, aber Leine nicht fest…

Dann endlich der ersehnte Sekt vor der Brücke! Jetzt liegen wir als Attraktion an einer Boje vor dem Hafeneingang. Die Schleuse kann nur 2h vor bis 1.5h nach dem Hochwasser befahren werden. Heute liegt das Abendhochwasser nach Feierabend, also sparen wir für diese Nacht die hohen Liegegebühren und genießen unsere Pinsa in bester Atmosphäre mit 1. Klasse Blick auf die Brücke. Geht auch schlechter [T].

Das mit dem Turbo hat so seine Vor- und Nachteile. Klar, superschnell waren wir die Themse Richtung London unterwegs. Schön, wenn Platz ist und es lange Zeit in eine Richtung geht. Heute war das anfangs auch so, aber dann, nach einer Kurve hatte  der Turbo plötzlich eine heftige Fehlzündung. Der Wind kam nun von der Seite und blähte das bunte Tuch heftig auf. Die CHRITA krängte und die Befestigung der Schot hat sich veranschiedet. Für mich sind das unangenehme Situationen. Mir ist es gemütlich mit weniger Segel stressfrei dahinzutuckern schon lieber …

Am Ende war der Wind eh dann schlafen und wir sind die letzten Meilen unter Motor bis zur Towerbridge.

Klar, ich freue mich auf ein paar Tage in London, aber das eigentliche Highlight ist tatsächlich die Ankunft an der Tower Bridge und das Liegen an der Mooringboje. Diesen unverschämt tollen Blick auf die Brücke zu haben, ist schon ein Privileg!

Doch schon der Weg auf die Skyline war einzigartig. Und ja, ich hätte nie gedacht, wie wenig auf der Themse los ist! Ab und an ein Frachter. Das war es. Kein Vergleich mit Amsterdam, wo das Wasser des IJ immer zu kochen scheint.

Jetzt, so gegen 23:00 Uhr, stellen die Lokale an Land die  Musik aus und es wird ruhiger. So lange, bis dann wieder eines dieser Partyboote an uns vorbeituckert.

Ziemlich zeitglich hat sich nun auch unser Ausblick verändert. Die Tide ist gekentert und wir haben uns um 180° gedreht. Es wird windig in der Plicht. Zeit sich unter Deck zu verkrümeln. [M]

Und noch ein paar Bilder –  Eindrücke längs der Themse

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